Schwangerschaft und Geburt

Die Schwangerschaft: 

Am Morgen des 17. Februar 2009 änderte sich unser Leben. Denn an diesem Morgen habe ich direkt nach dem Aufstehen einen Schwangerschaftstest gemacht. Ich war zwar erst einen Tag überfällig, aber zum einen hatte es das noch nie vorher in meinem Leben gegeben und zum anderen hatte ich deutlich damit gerechnet, dass ich schwanger sein könnte.
Ich glaube ich werde diesen Morgen nie vergessen. Es war ein unglaubliches Gefühl, tatsächlich zu sehen, dass auf dem Test plötzlich 2 Streifen erschienen! Total unreal, aber auch total schön!
Einige Zeit danach hatten wir dann unseren ersten Termin bei der Frauenärztin, die uns die Schwangerschaft dann offiziell bestätigte. Da habe ich Alessia das erste Mal gesehen... sie sah aber eher aus wie eine Kidney-Bohne, da ich gerade mal etwa in der 6. Woche war.
Am 4. Juni 2009 haben wir dann in einer der großen Ultraschall-Untersuchungen herausgefunden, dass wir ein Mädchen bekommen würden.

Meine Schwangerschaft war im Ganzen recht unspektakulär. Außer der üblichen Wehwehchen, die wohl jede Schwangere zum Ende hin hinnehmen muss, hatte ich etwa ab dem Zeitpunkt des Mutterschutzes (der übrigens am 9.9.09 begonnen hatte ;o)) mit immer weiter steigendem Blutdruck zu tun, der sich im Laufe der letzten Wochen noch zu einer Schwangerschaftsvergiftung entwickelt hat. Mehrere Male war meine Ärztin kurz davor, mich ins Krankenhaus zu schicken. Am 12.10.09 tat sie dies letztendlich auch. Hätte ich vorher geahnt, dass die mich im Krankenhaus für 4 Tage "festhalten", anstatt nur einen Check-Up für 24 Stunden (wie versprochen) zu machen, weiß ich nicht, ob ich wirklich gegangen wäre. Ab dem 14.10. wurde ich noch für die letzte Zeit auf Tabletten eingestellt, weil das KH nicht einleiten wollte. Am 15.10. wurde ich entlassen. Nachmittags sind wir mit dem KH-Bericht zu meiner Ärztin, die völlig erstaunt war als sie uns sah: "Oh, das Baby ist ja noch drin!". Nach einigem Hin und Her in Telefonaten mit dem KH hat meine Ärztin dafür gesorgt, dass ich endlich zur Einleitung kommen kann. Also sind wir am 16.10. wieder mit Sack und Pack ins Krankenhaus und um 8.00 Uhr morgens begann die Einleitung mittels eines Wehen-Cocktails.

Die Geburt: 

Eine Geburtseinleitung mittels Wehen-Cocktail verläuft deutlich entspannter, als man sich das wohl vorstellt. Keine Spur von "die Geburt geht direkt los"... Pünktlich um 8.00 Uhr im KH angekommen, wurde erstmal ein CTG gemacht. Als klar war, dass es Alessia gut geht, habe ich den Cocktail in die Hand gedrückt bekommen und dann wurden Angelo und ich erstmal im Frühstücksraum auf der Entbindungsstation zum gemütlichen Frühstück geschickt. Im 3-4 Stunden-Abstand wurden wieder CTGs gemacht von nun an. Beim nächsten CTG gegen 12 Uhr sah man schon, dass es eine Art Wehentätigkeit gab, aber das war nur auf dem CTG zu sehen. Davon was gemerkt, geschweige denn Schmerzen hatte ich nicht. Mittags habe ich also nochmal so einen widerlichen leckeren Cocktail bekommen. Ich hatte zwar auf eine jetzt heftigere Reaktion gehofft, aber es blieb immer bei diesen leichten schmerzlosen Wehen. Um 21 Uhr hatten wir das letzte CTG für den Tag, danach wurde ich ins Bett und Angelo nach Hause geschickt. Wir hatten vereinbart, dass ich am nächsten Morgen gegen 9.30 Uhr wieder zum CTG komme - Angelo wollte dementsprechend um 9 Uhr wieder im KH sein.
Alessia hatte aber zwischenzeitlich ganz andere Pläne gemacht. Ich war zwischen 22.00 und 23.00 Uhr eingeschlafen und bin um 2.00 Uhr morgens plötzlich wach geworden, weil die Fruchtblase geplatzt war. Ich war total unsicher, wie ich mich nun verhalten sollte und mein erster Gedanke war, einfach weiterzuschlafen. Keine so angenehme Vorstellung, aber von Schlafen war ab da auch keine Rede mehr, weil jetzt nämlich richtig schmerzhafte Wehen dazukamen. Nachdem ich einmal auf Toilette gegangen war, habe ich nochmal versucht zu schlafen, aber spätestens nach gefühlt 10 min (hatte keine Uhr) wurde ich immer wieder von den Schmerzen geweckt. Also bin ich zum Kreißsaal gegangen und habe dort Bescheid gegeben, dass ich glaube, dass gerade meine Fruchtblase geplatzt ist. Es wurde sofort ein CTG gemacht und mir gesagt ich befände mich nun "offiziell unter der Geburt". Man drückte mir 2 Zäpfchen (schmerzstillend und abführend) in die Hand und sagte, ich solle so lange ich kann noch wieder schlafen und gegen halb 7 dann zum CTG kommen. Trotz Schmerz-Zäpfchen: kein Schlaf! Irgendwann konnte ich nicht mal mehr liegen und da ich eine Zimmernachbarin hatte, die am Morgen davor ihr Kind bekommen hatte, wollte ich die nicht in ihrem wenigen Schlaf stören und hab mich einfach auf dem Gang vor dem Zimmer in einen Sessel gesetzt. Dort war eine Uhr und diese hab ich glaub ich ohne Ende angestarrt. Eine zeitlang hab ich noch gewartet, bis ich Angelo angerufen hab, weil ich wusste, jetzt könnte er mir eh nicht helfen und er sollte ruhig noch was schlafen. Ich meine es war gegen 5 Uhr, als ich ihn dann gebeten habe doch schon früher ins Krankenhaus zu kommen. Meine Erinnerung ist da schon nicht mehr ganz klar, ich weiß noch, dass ich gesagt habe "Kannst du schon früher kommen, es tut so weh!". Eine Stunde später war er dann auch schon bei mir.
Bei dem CTG am frühen Morgen war der Muttermund 2 oder 3 cm auf (meine Erinnerung ist wirklich verschwindend gering!). Es war klar, dass wir noch Zeit haben würden, daher war der Ablauf ähnlich, dass wir erstmal frühstücken gehen sollten und viel rumlaufen etc. Die Wehen waren mittlerweile so heftig, dass ich währenddessen nicht mehr reden konnte und wenn eine kam, während ich rumlief, musste ich stehenbleiben. Der Abstand wurde immer kürzer, so dass kurze Wege eine sehr lange Zeit in Anspruch nahmen. Bis zum nächsten CTG, dass, glaube ich, um 9 sein sollte, habe ich es schon nicht mehr ausgehalten. Irgendwann habe ich zu Angelo gesagt, dass ich glaube, ich halte es jetzt nicht mehr ohne Schmerzmittel aus. Wir sind also zum Kreißsaal gegangen, wo die Hebamme uns vorschlug, in die Badewanne zu gehen. Super Vorschlag, das hatte ich mir immer vorgestellt, während der Geburt in die Wanne zu gehen. Wer allerdings in die Wanne geht, um ein bisschen Entspannung zu bekommen, der hat sich getäuscht. Am Anfang war es so schön in der Wanne, aber schon nach kurzer Zeit wurden die Wehen noch heftiger durch das warme Wasser. Nach gefühlten 5 min, aber in Wirklichkeit war es nach längerer Zeit, bin ich wieder aus der Wanne raus. Ich hatte nur noch Schmerzen und war so müde von dem fehlenden Schlaf, dass ich mich kaum noch aufrecht halten konnte. Jetzt war ich an einem Punkt angelangt, wo mir alles egal war, ich wollte nur noch Drogen: PDA!!! Als alle Tests durch waren und der Anästhäsist nach langem Warten endlich da waren, saß ich schon im Kreißsaal auf dem Bett und habe kaum noch existiert. Der Arzt klärte mich dann noch über die PDA-Risiken auf und ich musste das unterschreiben. Ganz ehrlich - in diesem Wisch hätte alles stehen können, ich hätte es unterschrieben!! Kaum war die PDA gesetzt (ich habe noch nicht mal den Einstich bemerkt!), habe ich mich einfach nur toll gefühlt! So eine Entspannung! Ich war so dankbar, dass ich endlich ein wenig schlafen konnte! Mein Zeitgefühl war da schon komplett ausgesetzt. Also ich meine im Kreißsaal für die PDA waren wir gegen 9.30 Uhr und die PDA war wirksam bis etwa 11.30 Uhr. Dann musste die Menge schon zurück gefahren werden, weil Alessia gut nach unten vorankam und man sagte, das müsste ich spüren, sonst könnte ich später nicht mithelfen. Die nächste Zeit habe ich also damit verbracht, wenn Wehen kamen, schon (auf Anweisung der Hebamme) eingerollt wie eine Schnecke kräftig nach unten zu drücken. Es muss etwa 16.30 Uhr gewesen sein, als endlich nicht nur die Hebamme, sondern auch die Ärztin reinkam, was bedeutete, gleich war es soweit. Ich weiß noch, dass ich nicht soooo oft gepresst habe, aber noch oft genug um das Gefühl zu haben, ich könnte pressen wie ich will, da tut sich nichts. Aber das war ein Irrglaube. Nach kurzer Zeit war schon der Kopf draußen und ich brauchte nicht noch ein nächstes Mal pressen, weil die Hebamme sagte, das Baby würde selbst noch so arbeiten, dass sie schon rauskam. Die Hebamme musste Alessia nur noch mit ein wenig Halt auf die Welt helfen und da war es geschehen: um 17.10 Uhr am 17.10.09 erblickte unsere kleine Tochter das Licht der Welt. In dem Moment, in dem der 1.FC Köln abgepfiffen wurde und nach langer Zeit mal wieder ein Spiel gewonnen hat!
Dieses Erlebnis ist so unglaublich gewesen. Ich sehe es immer wieder, jeden einzelnen Tag vor mir. Es macht mich glücklich und es macht mich stolz und es ist ein wahres Wunder, was die Natur da zustande bringt! Ich bin dankbar für eine unkomplizierte Geburt (erst recht, weil eingeleitet), so dass das ein Erlebnis ist, an dass ich mein ganzes Leben mit Freude zurückdenken werde!